Sonntagsdepression

Auf nackten Sohlen zerrissene Strümpfe/ die Morgensonne blinzelt/ du schleichst heim/ Reichlich Endorphine noch in der Blutbahn/ auch andre Substanzen/ Samstagnacht kann so herrlich sein

Das Ziel fest vor Augen/ du weißt noch wo du wohnst/ dein Gefühl nennt sich schweben/ Die Nacht längst vorüber/ noch 3 Schlucke Wasser/ dann kannst du dich in weiche Kissen legen

Oh lieblicher Schlaf/ alle Motoren stehen still/ keine Fragen mehr/ Steinschwerer Körper/ noch nicht einmal Träume/ keine Gedanken in endloser Wiederkehr

Das Erwachen so grausam/ hämmernder Schädel/ zuckender Magen/ Fahle Haut/ und schlechter Geschmack/ doch die grenzenlose Leere ist am schlimmsten zu ertragen

Sonntagmittag/ der Körper müde und träge/ und man horcht auf das klopfende Herz/ Horcht in sich hinein/ da ist wenig zum Horchen/ nach vorne schaun gibt’s nicht nur rückwärts

Die ganze Woche/ gelaufen, gehechtet, gerannt/ innehalten ist immer schmerzhaft/ Denn das was da sein soll/ das ist da schon lang nicht mehr/ und so was wie Liebe fühlst du nur schemenhaft

Du hast dich in die Nacht gestürzt/ um dich lebendig zu fühlen/ um die pure Lebenslust in deinen Ohren rauschen zu hören/ Hingegeben ans Ausbrechen/ hast du dich von vielen küssen lassen/ denn gegen das Leben im Speziellen konntest du dich nur selten wehren

Der Kopf dreht sich vom Suchen/ und du willst nur noch schlafen/ da muss doch was sein/Noch letzte Woche/ hattest du so viele Pläne/ und wo können bloß die großen Gefühle geblieben sein

Auf der Strecke etwa/ aus dem Zug gefallen/ vergessen beim Blumenpflücken/ Schlaf, meine Liebe/ denn du weißt ja schon lang/ spät sonntagabends werden die Dinge wieder in helleres Licht rücken

Vision

Ich renne durch das Leben, ich treibe durch das Land
In meinem bunten Blümchenkleid schau ich mir die Welt an
Keine Primaballerina und tanz doch so nah am Rand
Erschrecke manchmal selbst was ich alles nicht lassen kann

Ich übe mich im Freiflug, ich durchschwimme Flüsse
Find ich einen Hang mit Wiese schlag ich Purzelbäume
Ich renne über heiße Steine, hab trotzdem immer kalte Füße
Lasse mich von Zeichen lenken und gib mich hin an meine Tagträume

Ich hab wirklich Freiheit und ich hab meine Träume
Doch eins kann ich nicht finden und ich such so lange schon
Denn grad ist es gleich was ich tu/ was ich versäume
Ich muss sie finden, die mir Kraft und Feuer schenkt: Meine Vision

Ich möchte Dir Liebe schenken

Ich möchte Dir Liebe schenken
denn ich hab echt genug davon
nimm schnell, es dehnt und weitet schon
mein klein’ Raum-Herz-Kontinuum
Nun nimm schon ohne Furcht, vergiss deine Bedenken!
Ich möchte Dir nur etwas Liebe schenken!

Denn in mir schwillt ein starker Fluss
tagtäglich steigt und steigt er
er bahnt sich seinen Weg in mir
und stündlich wird er breiter
Nun nimm schon, diesen einen Kuss.

Und nicht nur ihn, nimm soviel Du küssen kannst
Denn hier in meinen Adern pulsiert es wild und heiß
quirlig-rot die Tänze, solang bis ich zerreiß
Es ist gut für Dich und mich,wenn du in diesen Strom gelangst.

Ich möchte Dir Liebe schenken
komm immer dann ganz schnell zu meiner Tür
wenn das Glück mal wieder wohnt in Dir
denn dieser schön Taumel wird dann noch potentiert bei mir
Du wirst dann Schwindel fühlen und Wattewölkchen denken

Ich möchte Dir Liebe schenken
such auch immer dann ganz eiligst meine Nähe
wenn dein Herz mal weint vor Wut und Wehe
Ich werd Dich trösten, indem ich in Dir bunte Blumen sähe
Oh lass mich Deinen Kummer schnell versenken

Ich möchte Dir Liebe schenken
denn ich hab echt genug davon
nimm schnell, es dehnt und weitet schon
mein klein’ Raum-Herz-Kontinuum
Nun nimm schon ohne Furcht, vergiss deine Bedenken!
Ich möchte Dir nur etwas Liebe schenken!

Die Traumwelt

Manchmal scheinen sich all meine Sinne zu weiten
Die ganze Welt prallt auf mich ein, tut mir Leid an
Ich werd zum Wildtier, ganz schrecklich empfindsam
Ein Zustand, dem ich einfach nicht entrinnen kann
Manchmal scheint mir mein ganzes Leben zu entgleiten

Manchmal kann ich mich selbst einfach nicht mehr fühlen
Ich versteck mich dann im Haus, kriech in die kleinste Truhe
Ich renn ziellos durch die Straßen, such vergeblich meine Ruhe
Ich wähl zitternd deine Nummer und weiß gar nicht was ich tue
Manchmal muss ich tief im Dreck meiner Seele wühlen

Manchmal bewege ich mich wie in einer Traumwelt
Nur verschwommen die Realität und das ganze Leben
Ich bin ein Mensch aus Watte und scheine zu schweben
Doch in meinem Kopf tobt ein höllisches Erdbeben
Es ist ein Traum, der mich aufs Äußerste quält

Wenn die Traumwelt dann bereit ist mich loszulassen
kann ich als neuer Mensch aufwachen
Dann kann ich wieder laut und unbeschwert lachen
Und mir meinen eigenen Weg durch das Leben machen
Doch warum nur bekommt der böse Traum mich immer wieder zu fassen?

Mit Dir

Auf einem großen Boot auf einem großen Meer

Will ich Wellen schlagen hören, in der Sonne still verharren

Inmitten streichelnd blauer Wassermassen will ich mit dir fahren

Zeit statt Hast und blau statt schwarz und leicht statt schwer

 

Auf einer großen Lichtung in einem großen Wald

Will ich eingehüllt in Frische, tausend Stunden Rast einlegen

Um dich dort dann zu verführen, abseits von den großen Wegen

Aus uns wird eins, aus schwarz wird grün und das schon bald

 

In einem großen Haus in einem großen Park

Will ich morgens Vögeln lauschen, die dort auf den Bäumen thronen

Eingerahmt von wilden Blumen will ich mit dir wohnen

Ruhig statt wirr und hell statt schwarz und Tag für Tag

 

Und wenn der Wald im Feuer glüht und wenn das Boot dann untergeht

Und wenn das Haus zusammenfällt oder die Welt in Flammen steht

So trifft uns das nicht allzu schwer, was zählt ist unsre Zweisamkeit,

dass wie sie überhaupt erreicht, denn nichts ist für die Ewigkeit.

Selbsterkenntnis

Selbstzerstörung in Extase
Selbstliebe als pure Phrase

Selbstbetrug nun nicht mehr möglich
Selbsterfüllung unverzüglich

Selbstsuche nicht abgeschlossen
Selbstmitleid schon viel vergossen

Selbstbedienung Tagesordnung
Selbstmotivation gibt neuen Schwung

Selbstentblößung soll wohl gut tun
Selbstbesinnung lässt Gedanken ruhen

Selbstflucht ist nicht mehr erlaubt
Selbstzufriedenheit wird nicht geglaubt

Selbstreflexion und sondergleichen
denn Selbsterkentnis willst du erreichen.

Kurze Zweisamkeit

Ab und an ganz plötzlich, da überkommt es mich
Bin mir allein zu wenig, zum Trösten brauch ich dich.

Nun kenn ich dich noch nicht und weiß nicht wie du sein wirst
Doch eins weiß ich ganz sicher, dass du nach dieser Nacht mich gleich wieder verlierst.

Ich geb mir richtig Mühe und wähl das schönste Kleid
Ich schminke meine Lippen, ich bin für dich bereit.

Schnell und voller Freude lauf ich zur Straßenbahn
Ich platze fast und weiß, dass ich nicht warten kann.

Erregt und auch errötet geh ich in den Club hinein
Ich seh auf den Gesichtern meiner Motive Widerschein.

Ich zieh aus meinen Mantel und schüttel dann mein Haar
Ich hol mir was zu trinken und stell mich an die Bar.

Ich lausche der Musik und kann mich dran berauschen
Will bald mit dir ganz viele intime Worte tauschen.

Ich schau dann auf und treffe ganz plötzlich deinen Blick
Ich lächel dann verführend, darin bin geschickt.

Ich seh dir in die Augen und seh du weißt Bescheid
Doch noch genieße ich das Stückchen Ungewissheit

Ich nehm all meinen Mut und stelle mich zu dir
Du bist zum Glück erfreut, bestellst dir noch ein Bier.

Ich geb mir nun viel Mühe, bin locker und charmant
Auch du bist gar nicht schüchtern, berührst mich mit der Hand.

Wir stehen dort und spielen, das immer gleiche Spiel
Reden, lachen, flirten, nicht zuwenig – nicht zuviel

Ich beug mich zu dir rüber, küss deinen roten Mund
Mir ist nun etwas schwindlig, die Lichter leuchten bunt.

Irgendwann dann später gehen wir zur Tür hinaus
Ich nehme deine Hand und geh mit dir nach Haus.

Lauf der Zeit

Du liegst in meinem Bette, die Arme eng um mich
Du sagst ich sei sehr schön, es klingt wie ein Gebet
Und überhaupt wär ich die einzige für dich
Du sagst dann auch du liebst mich, für immer wenn es geht.

Du sitzt an meinem Tische, mein Essen schmeckt dir nicht
Du sagst du wärst schon manchmal lieber was mehr verwöhnt
Du Armer bist sehr müde nach deiner harten Schicht
Du sagst dann auch du liebst mich, du hast dich dran gewöhnt.

Du sitzt an deinem Schreibtisch und tust als ob du liest
Hast eingeübt den Blick, versunken soll er sein
Bemerkst mich zwar doch tust du, als ob du mich nicht siehst
Du sagst dann doch du liebst mich, damit ich dich endlich in Ruhe lasse.

sich verlieren

Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die so leidet
Kann nicht versteh, dass ich das bin
Die das nicht meidet.
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die dich herrschen lässt
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die dich nicht verlässt.
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die dich so begehrt
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die sich nach dir verzehrt
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die so schwächelt
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die auch noch lächelt
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die nicht umkehrt
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die sich nicht wehrt
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die sich entblößt
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die du stößt
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die dich festhält
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die kein eigenes Schicksal wählt
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die sich reduziert
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die sich verliert
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die sich unter dir windet
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die langsam verschwindet.
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die nicht aufsteht
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die nicht weggeht
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Für dich zu allem bereit
Kann nicht verstehn, dass ich das bin
Die hier nach Liebe schreit.

Kann nicht verstehn, dass du das bist
Der mich schlägt
Kann nicht verstehn, dass du das bist
Der mich verrät
Kann nicht verstehn, dass du das bist
der mich benutzt
Kann nicht verstehn, dass du das bist
Der meine Flügel stutzt
Kann nicht verstehn, dass du das bist
Der mich niederwirft
Kann nicht verstehn, dass du das bist
Der mein Herz abschürft
Kann nicht verstehn, dass du das bist
Der mich zertrümmert
Kann nicht verstehn, dass du das bist
Den das nicht kümmert
Kann nicht verstehn, dass du das bist
Der das aushält
Kann nicht verstehn, dass du das bist
Der nicht umfällt.
Kann nicht verstehn, dass du das bist
Für den ich Puppe spiele
Kann nicht verstehn, dass du das bist
Auf dessen Herz ich ziele

Kann nicht verstehn, dass das mein Herz ist
Das der Schmerz auffrisst
Kann nicht verstehn, dass wir das sind
Für die das hier Liebe ist.

Holz

Massives Holz unter meinem Gesäß
Ich schau auf eine Oase in der großen Stadt
Ein Platz, ein dürrer Baum, ein altes Fahrrad
Massives Holz unter dem Blumengefäß.

Massives Ausatmen, ausharren, ausspannen
Der Kaffee dampft und das Plätzchen ist süß
Niemals fühlte ich mehr wie die Sekunden verrannen
Was kümmert mich der ganze Rest, ach der Kellner ist auch süß.

Massives Holz unter meinem Gesäß
Nicht stört, nichts schmerzt, alles ruhig
Im Radio Musik, unaufdringlich aber zeitgemäß
Allein unter Menschen, krieg davon nicht genug.

Massives Holz unter meinem Gesäß
Neben mir befummelt sich ein Paar(also er sie)
Er hat die Hand auf ihrem (nicht sehr) massiven Gesäß
Er ist 20 Jahre älter als sie

Das sind so Businessleute in der Mittagspause
Sie wirkt sehr erotisch in dem Nadelstreifenhemd
Und auch ihr Blick, der ist so geheimnisvoll bis fremd
Mich stört das Gefummel gar nicht, die haben bestimmt kein Zuhause.

Das dringt nicht in mein Kokon der Alleinseinsmelancholie
Die Zwei mögen sich und ich freu mich still dazu
Allein bin ich, und etwas zu frei, aber einsam wird ich nie
Die Zwei sehen gut aus zusammen und ich schau gern zu.

Massives Holz unter meinem Gesäß
Ein langer Moment hingehaucht in der großen Stadt
Ein Platz, ein alter Baum, ein schäbiges Fahrrad
Massives Holz unter dem Blumengefäß

Irgendwann gebärt alles Schöne ein hässliches Blag
Ich muss aufstehen, weitermachen, weiter rennen
Das Ende kommt stetig näher, trägt seinen eigenen Sarg
Kannst ja nicht dein Leben verträumen, verpennen

Aufstehen, bezahlen, das schönste Lächeln dem Kellner schenken
Ich betrete die Oase in der großen Stadt
Massive Kälte schlägt mir entgegen
Die Oase wird wieder zum Platz, leer und platt.