Ich seh euch wie ihr in euren Palästen beim Frühstück sitzt
Wie ihr der Ehefrau zum Abschied die Wange küsst
Wie ihr euren schicken Schlitten aus der Garage holt
Euer Sohn hat nen Kratzer rein gemacht, ich seh wie ihr ihm noch schnell den Hintern versohlt.
Ich seh euch dann später im Büro delegieren und Macht beweisen
Und immer wenn’s sein muss oder nicht den Untergebenen den Kopf abreißen.
Seh euch fleißig weiterbauen an eurem beruflichen Status
Ob jemand draufgeht interessiert euch nicht, hauptsache alles bleibt im Fluss.
Ich seh euch wie ihr in Klassenzimmern wütet
Auf Disziplin pocht, einschüchtert und allem Frechen den Mund verbietet.
Ich seh euch in Unis abgehoben euch auf euren Titel reduzieren
Als kleiner König mit harten Bandagen euren Kosmos regieren.
Ich seh euch in Supermärkten euer Revier verteidigen und niemanden vorlassen
Ich seh euch vor Discotheken, breitbrüstig niemanden einlassen.
Ich seh euch im Straßenverkehr, wo jedes Rennen entscheidend ist,
wo kein Preis zu hoch ist, weil ihr immer gewinnen müsst.
Ihr alle versucht mich mein Leben lang einzuschüchtern
Nach und nach meine Courage auszunüchtern.
Ihr schlagt mich, plagt mich, macht mich wacklig
Werft Messer nach mir, stoßt mich vom Pier, setzt mich vor die Tür.
Doch ich kann mich nicht abschotten, euch verkloppen oder gar ausrotten
Denn jedem Menschen wohnt ein Machtmensch inne,
der ihn beherrscht und der ihn hindert zu leben.
2 Kommentare
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Da mir dieses Gedicht sehr gut gefällt, muss ich mal den ersten Kommentar abgeben.
Wie wahr, in jedem von uns steckt ein Machtmensch!! Ich finde auch, dass das in einem gewissen Maße nicht schlecht ist!! Betrachtet man jedoch, wie das Ganze manchmal, vorallem bei den Mächtigen der Wirtschaft(Managern z.B) ausartet kann einem aber wirklich schlecht werden. Sogar eine gewisse Wut verspüre ich bei deren Willkür.
Aber auch im Kleinen, wie das Gedicht sehr gut darstellt, gibt es zahlreiche Machtmenschen, die einen nur weil Ihnen deine Schuhe nicht passen nicht in die Disco lassen…
lg luj
Mir gefällt das Gedicht auch sehr gut. Wenn das Bedürfnis nach Macht zu groß wird, kann es einen Menschen verderben – trotzdem steckt dieser Wille zur Macht in uns allen, wie Luj es schon sagte.
Interessant ist doch, wie wir reagieren wenn wir die Macht über etwas verlieren: Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder wir werden wütend, weil wir uns machtlos fühlen, oder wir werden traurig. In dem Zustand, in dem wir weder traurig noch wütend sind, sind wir also machtvoll. Vielleicht kann man deswegen von einem Willen zur Macht sprechen, der in uns steckt. Oder nicht?